ALPHAWOMAN-Podcast mit Nicola Steinbock, Vorstandssprecherin der Landwirtschaftlichen Rentenbank: Warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen existentiell ist

Dezember 2025
ALPHAWOMAN-Podcast mit Nicola Steinbock, Vorstandssprecherin der Landwirtschaftlichen Rentenbank: Warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen existentiell ist

Ihre Großmutter gab ihr einst den Rat:  „Du musst immer in der Lage sein, dein Leben selbst zu finanzieren.“  Dieser Satz begleitet Nicola Steinbock bis heute.

In der aktuellen Folge des Podcasts ALPHAWOMAN spricht die Sprecherin des Vorstands der Landwirtschaftlichen Rentenbank über finanzielle Selbstständigkeit, strukturelle Benachteiligung von Frauen und die Frage, warum ökonomische Unabhängigkeit keine Ideologie, sondern eine Voraussetzung von Freiheit ist.

Aufgewachsen auf dem Land – geprägt von Bodenständigkeit und Gemeinschaft

Nicola Steinbock ist auf dem Land aufgefahren. Die Erfahrung von Gemeinschaft, Verantwortung und Zusammenhalt hat sie früh geprägt. Umso mehr ärgern sie die oft klischeehaften Bilder, die das Landleben als rückständig beschreiben. Für Nicola Steinbock steht Landwirtschaft auch für innovative Geschäftsmodelle, moderne Technik und unternehmerisches Denken.

 Vom Land in die Finanzwelt – kein geradliniger Weg

Der Weg in die Bankenwelt war für Nicola Steinbock kein Selbstläufer. Nach ihrer Ausbildung ging es nach Frankfurt am Main, wo sie früh Verantwortung übernahm und begann, sich fachlich weiterzuentwickeln. Entscheidend waren dabei Menschen, die an sie glaubten und ihr mehr zutrauten, als ihr selbst zunächst bewusst war. Ein berufsbegleitendes Studium, gezielte Förderung und der Mut, einen unkonventionellen Weg zu gehen, legten den Grundstein für ihre Karriere.

Finanzielle Unabhängigkeit – keine Ideologie, sondern Sicherheit

Finanziellen Selbstständigkeit ist für Nicola Steinbock eine Form der Absicherung und Entscheidungsfreiheit. Unterschiedliche Lebensmodelle seien legitim, betont sie, doch finanzielle Abhängigkeit schränkt langfristig Handlungsspielräume ein. Deshalb ermutigt sie gerade junge Frauen, sich frühzeitig mit der eigenen wirtschaftlichen Absicherung auseinanderzusetzen – nicht aus Misstrauen, sondern aus Verantwortung für sich selbst.

Frauen in der Landwirtschaft – sichtbar, aber oft nicht abgesichert

Ein besonderes Augenmerk legt Nicola Steinbock auf die Situation von Frauen in der Landwirtschaft. Viele Frauen arbeiten selbstverständlich in landwirtschaftlichen Betrieben mit, übernehmen Verantwortung in Familie und Betrieb, sind jedoch häufig nicht Eigentümerinnen, verfügen über keine eigenen Anteile und haben keine eigenständige Altersvorsorge. Kommt es zu Trennungen, Krankheit oder Todesfällen, stehen sie nicht selten ohne Absicherung da. Diese Situation ist aus ihrer Sicht kein individuelles Versäumnis, sondern strukturell bedingt, gewachsen aus traditionellen Modellen, die heute nicht mehr in allen Lebensrealitäten tragen.

Verantwortung, Quote und Zukunftsperspektive

Brauchen wir eine Frauenquote? Nicola Steinbock sieht die Frauenquote als ein pragmatisches Instrument, um Vielfalt zu fördern und Perspektiven zu erweitern. Nicht die Quote selbst sei das Ziel, sondern bessere Entscheidungen durch unterschiedliche Erfahrungen, Kompetenzen und Blickwinkel. Mit Blick auf die Zukunft der Landwirtschaft betont sie, dass gut ausgebildete Frauen eine zentrale Rolle spielen werden, als Betriebsleiterinnen, Eigentümerinnen und Entscheiderinnen. Demografischer Wandel, Transformation und Innovation machten Vielfalt nicht nur wünschenswert, sondern notwendig.

Das Gespräch mit Nicola Steinbock zeigt eindrücklich, wie eng Fragen von Freiheit, Verantwortung und finanzieller Selbstständigkeit miteinander verbunden sind. Gerade für Frauen – in der Landwirtschaft wie in anderen Branchen – bleibt ökonomische Unabhängigkeit eine zentrale Voraussetzung für echte Wahlfreiheit. Nicht als starres Modell, sondern als Grundlage, um das eigene Leben selbstbestimmt gestalten zu können

Kurzvita

Nicola Steinbock ist Sprecherin des Vorstands der Landwirtschaftlichen Rentenbank. Sie engagiert sich für die Förderung der grünen Branchen, für strukturelle Weiterentwicklung und für mehr finanzielle Selbstständigkeit von Frauen – insbesondere im ländlichen Raum.

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Foto: Christian Behring