ALPHAWOMAN-Podcast mit Jeannine Koch: Führung, Wandel und weibliche Stärke in Zeiten der Transformation
Die Arbeitswelt befindet sich im permanenten Wandel: Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und neue Erwartungen an Arbeit und Führung verändern ganze Branchen. In dieser Folge des ALPHAWOMAN-Podcasts spricht Sandra Pabst mit Jeannine Koch, Vorstandsvorsitzende von medianet Berlin Brandenburg.
Im Zentrum des Gesprächs stehen moderne Führung, Transformation und die Frage, ob es so etwas wie einen weiblichen Führungsstil gibt.
Die Medien- und Kreativbranche unter Druck
Medianet Berlin Brandenburg vernetzt rund 450 Unternehmen aus der Medien-, Digital- und Kreativwirtschaft. Eine Branche, die besonders stark von Disruption betroffen ist. Jeannine Koch beschreibt eine ambivalente Lage: Nach Wachstumsschüben während der Pandemie stehen viele Geschäftsmodelle heute erneut auf dem Prüfstand vor allem durch den rasanten Fortschritt von KI.
Unternehmen müssen sich existenziellen Fragen stellen: Gibt es mein Geschäftsmodell in dieser Form in fünf Jahren noch? Welche Kompetenzen bleiben relevant? Transformation ist kein Zukunftsthema mehr, sondern akute Gegenwart.
Führung als Orientierung in unsicheren Zeiten
Als Vorstandsvorsitzende eines vielfältigen Netzwerks sieht Jeannine Koch ihre Rolle nicht nur in der Organisation, sondern vor allem in Orientierung und Vernetzung. Lobbyarbeit, politische Interessenvertretung, Fachkräftefragen, Wohnraummangel und internationale Wettbewerbsfähigkeit gehören ebenso dazu wie klassische Netzwerkformate, Delegationsreisen und Branchenevents.
Ein besonderer Fokus liegt auf Kooperationen: Innovation entsteht heute weniger im Alleingang als durch Synergien und gemeinsames Denken.
Führung heißt gestalten – nicht verwalten
Jeannine Koch bringt umfassende Führungserfahrung mit, unter anderem als Geschäftsführerin der re:publica, einer der wichtigsten europäischen Konferenzen für digitale Gesellschaft. Was sie antreibt, ist das Gestalten von Strukturen, das Entwickeln von Visionen und deren Übersetzung in umsetzbare Strategien.
Gute Führung bedeutet für sie, Verantwortung zu übernehmen, unterschiedliche Perspektiven auszuhalten und Menschen durch Unsicherheit zu führen gerade in Krisenzeiten.
Moderner Führungsstil: empathisch, partizipativ, klar
Auf die Frage nach ihrem Führungsstil beschreibt Jeannine Koch drei zentrale Elemente:
Empathie, Partizipation und Verantwortung. Führung heißt für sie, zuzuhören, Potenziale zu erkennen, Verantwortung abzugeben – aber auch klar zu entscheiden, wenn es nötig ist.
Dabei ist ihr bewusst: Nicht jeder möchte führen. Moderne Führung erfordert Sensibilität dafür, wie viel Verantwortung Menschen übernehmen wollen und können und wo Unterstützung, Weiterbildung oder klare Führung gefragt sind.
Wandel der Führungskultur
Im Podcast reflektiert Jeannine Koch den tiefgreifenden Wandel von Führung: Weg von hierarchischem Top-down-Denken hin zu dialogorientierten Modellen. Besonders die jüngeren Generationen fordern mehr Selbstbestimmung, Sinn und Work-Life-Balance.
Sie begegnet diesen Forderungen mit Respekt, warnt jedoch zugleich vor wirtschaftlichen Schieflagen, wenn Balance verloren geht. Führung der Zukunft bedeutet für sie, zwischen individuellen Bedürfnissen und unternehmerischer Verantwortung zu vermitteln.
Gibt es einen weiblichen Führungsstil?
Eine der zentralen Fragen der Folge: Unterscheiden sich Frauen und Männer in Führungsrollen? Jeannine Koch beobachtet, dass Frauen stärker darauf achten, Reibungsverluste zu minimieren und Teams zusammenzuhalten gleichzeitig werden harte Entscheidungen von Frauen oft kritischer bewertet als von Männern.
Diese unterschiedlichen Maßstäbe bestehen auch bei jüngeren Generationen fort. Ein Befund, der zeigt, dass Gleichberechtigung in Führung noch nicht selbstverständlich ist.
Umgang mit Kritik und Druck
Führung bedeutet Sichtbarkeit und damit Kritik. Jeannine Koch unterscheidet klar zwischen sachlicher Kritik, die Wachstum ermöglicht, und persönlicher Kritik, die Grenzen überschreitet. Feedbackkultur sei essenziell, solange sie respektvoll und konstruktiv bleibt.
Über die Jahre habe sie ein „dickeres Fell“ entwickelt oder, wie sie es nennt, eine Teflonjacke.
Empowerment als Führungsauftrag
Ein Herzensthema von Jeannine Koch ist Empowerment, insbesondere von Frauen. Mit eigenen Formaten, Netzwerken und Dinner-Reihen fördert sie gezielt weibliche Gründerinnen und Führungskräfte. Die Zahlen sind ernüchternd: Nur rund 20 Prozent der Gründungen in Deutschland stammen von Frauen, in Berlin sogar noch weniger.
Ihr Appell: Frauen mit Talent und Führungsfähigkeit sollten den Mut haben, Verantwortung zu übernehmen, nicht aus Pflicht, sondern aus Sinn. Führung kann erfüllend sein, weil sie Gestaltung ermöglicht und Vorbilder schafft.
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Foto: Christian Behring
