News: Dieses Forschungsprojekt rettet Leben

Februar 2016
News: Dieses Forschungsprojekt rettet Leben

Freundesgesellschaft finanziert Studie zum

Vorhofflimmern

 

Privat Dozent Dr. Charalampos Kriatselis (47) ist Oberarzt und einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Kardiologie am Deutschen Herzzentrum Berlin. Im vergangenen Jahr finanzierte die Gesellschaft der Freundes des DHZB die Durchführung der Studie „Kardiales Reverse Remodelling 5-7 Jahre nach ablativer Behandlung des Vorhofflimmers“. Im Gespräch mit den Herzfreunden erklärt Dr. Kriatselis  den Inhalt der Studie und warum das Ergebnis das Leben von Herzpatienten retten kann.

Sandra Pabst (SP): Herr Dr. Kriatselis, wie viele Ärzte arbeiten in Ihrem Team und woran forschen Sie genau?

Dr. Kriatselis: Wir sind zwei Oberärzte und zwei Fachärzte und bilden zusammen das „Rhythmusteam der Kardiologie“ am Deutschen Herzzentrum. Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Behandlung von Herzrhythmusstörungen, insbesondere von Vorhofflimmer.

SP: Was versteht man unter Vorhofflimmern?

Dr. Kriatselis: Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung. Das Herz schlägt unregelmäßig. Man muss sich das so vorstellen: Bei einem gesunden Herz wird im Sinusknoten im rechten Vorhof ein elektrisches Signal gebildet, das über ein Reizleitungssystem in die Herzkammer geleitet wird. Dort löst dieses Signal eine Muskelkontraktion und damit den Herzschlag aus. Beim Vorhofflimmern entstehen in den Herzvorhöfen viele kreisende elektrische Erregungen, die teilweise auch über das Leitungssystem in die Kammern geleitet werden. Dadurch kommt es zu unregelmäßigen Herzrhythmen und die Gefahr eines Schlaganfalls steigt.

SP: Wer ist davon betroffen?

Dr. Kriatselis: Meist sind ältere Menschen betroffen, vor allem wenn sie an langjährigen Hochblutdruck leiden. Bei den über 65jährigen sind ungefähr 10 Prozent von Vorhofflimmern betroffen. Es können aber auch wesentlich jüngere Menschen darunter leiden.

SP: Wie wird das Vorhofflimmern behandelt?

Dr. Kriatselis: Die Behandlung erfolgt durch Medikamente oder durch eine Operation, eine so genannte Ablation (Verödung). Bei der Operation wird ein Katheder über die Leistenvene ins Herz geführt und das Gewebe, welches Vorhofflimmern auslöst, verödet.

SP: Was haben Sie mit Ihrer Studie, die von der Freundesgesellschaft finanziert wurde, konkret untersucht?

Dr. Kriatselis: Wir wissen bereits, dass die Behandlung durch eine Ablation sehr gute Ergebnisse erzielt und einen größeren Erfolg hat als die Behandlung mit Medikamenten. 20 bis 30 Prozent aller Betroffenen, die mittels Katheter operiert werden, sprechen auf die Behandlung leider nicht an. Sie leiden weiterhin unter Vorhofflimmern. Um diese Patientengruppe geht es uns. Durch das Vorhofflimmern kommt es zu einer Vergrößerung beider Vorhöfe des Herzens und nicht selten zu einer Abschwächung der Pumpfunktion des Herzmuskels. Das nennen wir wissenschaftlich  „remodelling“. Ziel unserer Studie ist zu bestimmen inwieweit dieses „remodelling“ nach einer erfolgreichen Behandlung des Vorhofflimmers rückgängig ist, das heißt inwieweit  es zu einer Verkleinerung der Vorhofgröße und Verbesserung der Herzfunktion kommt. Aus der Größe des linken Vorhofs und der Pumpkraft der linken Herzkammern können wir Rückschlüsse auf das erneute Auftreten von Vorhofflimmern ziehen.

Bislang gibt es nur Studien, die einen relativ kurzen Zeitraum nach der Kathederoperation erfassen.Wir wollten aber wissen, wie die Situation  fünf bis sieben Jahre nach der Ablation aussieht. Eine solche Studie konnten wir dank der Spende der Freundesgesellschaft durchführen. Dieses Forschungsprojekt ist einzigartig in Deutschland.

SP: Wie wurde die Studie durchgeführt?

Dr. Kriatselis: Wir haben an 50 Patienten ein Herz-MRT durchgeführt vor der Ablation und 5 bis 7 Jahre danach durchgeführt. Mit dem Herz-MRT können die Größe der Vorhöfe und die Pumpfunktion des Herzens am genauesten bestimmt werden.   Ein Herz-MRT ist sehr kostspielig und aufwendig. Unsere eigenen finanziellen Mittel haben nicht ausgereicht. Erst mit Unterstützung der Freundesgesellschaft konnten wir die MRTs finanzieren.

 SP: Liegen schon erste Ergebnisse vor?

Dr. Kriatselis: Momentan sind wir in der Auswertungsphase. Wir werden unsere Ergebnisse im Rahmen einer Doktorarbeit und durch weitere wissenschaftliche Arbeiten national und international publizieren.

SP: Vielen Dank für das Gespräch.

www.herzfreunde.de